Forschungsbereich Sozialisation und Geschlecht




MäGs - Männer und Grundschule


 

letzte Aktualisierung: 1.11.2017

1. Phase:
Finanzierung:
Fakultät EPB
Laufzeit:
7/2008 - 9/2012

2. Phase:
Finanzierung: Präsidium der Universität Hamburg
Laufzeit: 10/2014-10/2017

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Produkte der zweiten Phase des Projektes zur weiteren Verwendung:

Hannelore Faulstich-Wieland: Grundschullehrer - ein Beruf auch für Männer! - Handreichung zur Durchführung von Praktika in der Grundschule

Bianka Wesseloh: Datenreport – Männer in der Grundschule und im (Grundschul)Lehramt

 

2. Phase: MäGs - Männer und Grundschule – Erhöhung des Anteils männlicher Studierender im Lehramt PriSe I

Wissenschaftliche Leitung:
Prof. Dr. Hannelore Faulstich-Wieland

Wissenschaftliche Mitarbeiterin:

Jessica Rother (ab 9.8.2016)
Bianka Wesseloh (ab 1.10.14)

 

Der Wunsch nach mehr männlichen Lehrkräften insbesondere in der Grundschule spielt bildungs- und hochschulpolitisch spätestens nach den Debatten um eine mögliche Bildungsbenachteiligung von Jungen als Ergebnis der PISA 2000-Untersuchung eine wichtige Rolle. Die 1. Phase des Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Männer und Grundschule – MäGs“ hat sich mit dieser Frage aus verschiedenen Perspektiven heraus beschäftigt und als eine wesentliche Maßnahme einen „Studienkompass Lehramt Primar- und Sekundarstufe I“ erstellt, der insbesondere über die Arbeit in der Grundschule und das Studium informiert.

Eine wesentliche Erkenntnis aus dem Projekt MäGs war, dass die Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe die Arbeit in der Grundschule als langweilig und anspruchslos wahrnehmen – ganz im Gegensatz zur Realität, nach der dies eine sehr anspruchsvolle und vielseitige, insbesondere auch befriedigende Arbeit ist. Dieser Sichtweise trägt der Studienkompass Rechnung der in der 2. Projektphase noch einmal überarbeitet wurde und nur auch Interviews mit Grundschullehrern sowie Studenten des Lehramts für die Primar- und Sekundarstufe I beinhaltet. Er ist unter folgendem Link erreichbar: http://www.studienkompass-grundschule.uni-hamburg.de.

Allerdings reicht ein solches Internetangebot genauso wenig aus, wie die Informationen, die für junge Frauen angeboten werden, um sie für naturwissenschaftliche Studiengänge zu interessieren. D.h. es bedarf zusätzlicher Anstrengungen, um junge Männer gezielt anzusprechen und zu einem Lehramtsstudium zu motivieren. Dazu diente die 2. Phase des Projekts, die auf drei Jahre angelegt war. Zentrale Bestandteile dieser Phase waren insbesondere die Erprobung und Evaluation von vier verschiedenen Aktivitäten:

- Infoveranstaltungen in gymnasialen Oberstufen, die sich speziell an junge Männer richten
- Veranstaltungen auf den Studientagen der Universität, die jeweils im Februar stattfinden
- Initiierung von Praktikumskooperationen zwischen Grundschulen und Gymnasien
- Eruierung der Auswertungsmöglichkeiten von Informationen, die über die Zulassungsstelle zu erheben sind oder dort vorliegen.

Plakataktion

Um männliche Schüler sowohl zu ermutigen, ein gezieltes Praktikum in einer Grundschule im 9. oder im 11. Jahrgang durchzuführen, haben wir verschiedene Postkarten und Plakate entwickelt, von denen wir im Folgenden ein Beispiel zeigen. Gymnasien und Stadtteilschulen können gerne Exemplare für ihre Schüler bei uns anfordern. Im Rahmen der Werbung an Litfass-Säulen in Hamburg wurden 2016 und 2017 Plakate mit Hinweis auf den Uni-Tag verbreitet. Ein Beispiel zeigt dieses Foto.

 

Publikationen

Wesseloh, Bianka (2017): Männer und Grundschule. In: Hamburg macht Schule, Heft 1, S. 48-49

Wesseloh, Bianka; Faulstich-Wieland, Hannelore (2016): Vom Schüler zum Lehrer. In: hlz - Zeitschrift der GEW Hamburg (1-2), S. 48–49.

Aktivitäten

Am 21.6.17 wurden auf der "Fachmesse für Ausbildung + Studium vocatium Hamburg-Nord 2017" Schüler aus Gymnasien und Stadtteilschulen über das Lehramt Primar- und Sekundarstufe I beraten und insbesondere auf die Möglichkeit hingewiesen, als Grundschullehrer zu arbeiten. Dazu wurden sie auch auf den Studienkompass und seine Informationsmöglichkeiten hingewiesen.

Am 22.2.2017 fand erneut der Unitag statt, an dem sich Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufen über Studienmöglichkeiten an der Universität Hamburg informieren konnten. Von Seiten des Projekts wurde erneut eine Informationsveranstaltung zum Thema "Männer und Grundschule" angeboten, an der ca. 35 Schüler teilnahmen.

Am 20.2.2017 hat Bianka Wesseloh an einem Expert*innen-Workshop "Männer ins Grundschullehramt" von GEW und Dissens e.V. in Hannover teilgenommen, an dem es um eine Handreichung für Maßnahmen zur Erhöhung des Männeranteils an Schulen ging.

Am 7.6.2016 wurde im Rahmen des 4. Deutschen Diversity-Tages an der Universität Hamburg das Projekt auf zwei Stellwänden präsentiert.

Am 7.6.2016 wurden im Kontext des Projektes interessierte Schüler auf der "Fachmesse für Ausbildung + Studium vocatium Harburg-Süderelbe" über das Studium zum Lehramt Primar- und Sekundarstufe I informiert und dabei die Rolle von Männern in der Grundschule thematisiert.

Am 23.2.16 fand von 10 bis 11 Uhr eine Informationsveranstaltung zum Thema "Männer und Grundschule" statt, an der ca. 60 interessierte Schüler (und einige Schülerinnen) teilnahmen.

Vom 9.2. bis 25.2.16 hängen im Hamburger Stadtgebiet gut 650 Plakate, mit denen für die Teilnahme an einer Veranstaltung des Projektes während des Unitages am 23.2.16 geworben wird.

Die Aktivitäten zur Realisierung von gezielten Praktika durch Schüler in Grundschulen führten zu ersten Erfolgen: Schüler von Stadtteilschulen aus dem Bezirk Bergedorf realisierten ihre Praktika in dortigen Grundschulen. Am 18.1.16 besuchten sie in diesem Rahmen während eines ganzen Tages die Universität Hamburg und wurden von Bianka Wesseloh betreut. Sie hatten Gelegenheit, die Lernwerkstätten Grundschule und Englisch kennen zu lernen, nahmen an einem Tutorium von Prof. Dr. Günter Krauthausen teil und konnten sich mit einem Lehramtsstudenten austauschen.

Am 6.6.2015 erschien in der taz Nord ein Beitrag von Birk Grüling über das Projekt.

Am 29.3.2015 wurde das Projekt im Rahmen des Schülercampus "Mehr Migranten werden Lehrer" am Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung in Hamburg vorgestellt, und zwar zur Station "Grundschule" im Rahmen der Frage "Welche Schulform ist für mich interessant?"

Am 25.2.2015 informierte das Projekt im Rahmen des Unitages über "Männer und Grundschule" in einer sehr gut von Schülern (und einigen Schülerinnen) besuchten Veranstaltung.

Hamburg 1 sendet seit November 2014 einmal im Monat einen Beitrag "Hamburgs Beste", in dem Forschungsprojekte der Universität vorgestellt werden. Am 23.2.2015 wurde unser Projekt vorgestellt:

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1. Phase: MäGs - Männer und Grundschule – Gleichstellung und Diversity an der Fakultät forschend entwickeln

Wissenschaftliche Leitung:
Prof. Dr. Hannelore Faulstich-Wieland


Wissenschaftliche Mitarbeiter/innen (1. Phase):
Ingo Niehaus (1.3.09-31.1.11)
Miriam Redlich (1.7.08-28.2.09)
Barbara Scholand
(1.7.08-30.9.12)

Studentische Mitarbeiter/innen (1. Phase):
Oliver Burandt (August bis November 2010)
Elisabeth Fuchß (November 2009)
Zoya Golubeva (Dezember 2008 bis September 2009)
Verena Lenzen (Oktober bis Dezember 2010)
Anita Metzler (Frühjahr 2009)
Carsten Petersen (Herbst 2009)
Jessica Rother (August bis November 2010)
Bianka Wesseloh (Januar 2010 bis Mai 2011)
Julian Wiedemann (November 2010 bis Dezember 2011)

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Abschlussbericht des Projektes 1. Phase
Bericht
Anhang: Evaluation des Studienkompass

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Aktivitäten:

Der im Rahmen des Projektes entwickelte "Studienkompass Lehramt Primar- und Sekundarstufe I" ist online.


Publikationen

Faulstich-Wieland, Hannelore (2013): Should Male Primary School Teachers be There Principally as Role Models for Boys? In: Universal Journal of Educational Research 1 (2), S. 65-73.

Faulstich-Wieland, Hannelore (2013): Jungen als neue Benachteiligte im Bildungssystem? In: Stephan Gerhard Huber (Hg.): Jahrbuch Schulleitung 2013. Köln: Carl Link, Wolters Kluwer, S. 44–52.

Faulstich-Wieland, Hannelore (2012): Zur "Feminisierung" des Lehrerberufs - vermutete Ursachen und Problemeinschätzung. In: Zeitschrift für Bildungsverwaltung 28 (2), S. 73–84.

Faulstich-Wieland, Hannelore (2012): Sollten Grundschullehrer vor allem Vorbild für Jungen sein? - Zusammenhänge zwischen Studienmotivation von Lehramtsstudierenden Diskursen um 'mehr Männer in die Grundschule' und Perspektiven guter (Grund-)Schulen. In: Sabine Hastedt und Silvia Lange (Hg.): Männer und Grundschullehramt. Diskurse, Erkenntnisse, Perspektiven. Wiesbaden, s.l: Imprint VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 13–30.

Niehaus, Ingo (2012): Männer in der Grundschule. Geschlechterstereotype Erwartungen und pädagogische Praxis - erste Ergebnisse einer qualitativen Untersuchung an Hamburger Grundschulen. In: Sabine Hastedt und Silvia Lange (Hg.): Männer und Grundschullehramt. Diskurse, Erkenntnisse, Perspektiven. Wiesbaden, s.l: Imprint VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 45–61.

Scholand, Barbara (2012): Welche Männer sollten für das Lehramt Primar-/Sekundarstufe I interessiert werden und wie könnte sich dies gestalten? In: Sabine Hastedt und Silvia Lange (Hg.): Männer und Grundschullehramt. Diskurse, Erkenntnisse, Perspektiven. Wiesbaden, s.l: Imprint VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 153–168.

Scholand, Barbara (2012): Typisch reicht nicht - Rollenklischees beeinflussen die Berufswahl. Eine Hilfe für SchülerInnen zu einer zukunftsorientierten Ausbildungswahl. In: hlz - Zeitschrift der GEW Hamburg H. 5-6, S. 40.

Scholand, Barbara (2011): Double Socialisation - Gender and Disciplinary Cultures in Higher Education. In: Stefanie Hillen, Tanja Sturm, Ilmi Willbergh (ed.): Challenges Facing Contemporary Didactics. Diversity of Students and the Role of New Media in Teaching and Learning, S. 113-126.

Faulstich-Wieland, Hannelore (2011): Werden tatsächlich Männer gebraucht, um Bildungsungleichheiten (von Jungen) abzubauen? In: Andreas Hadjar (Hg.): Geschlechtsspezifische Bildungsungleichheiten. 1. Aufl. Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwissenschaften, S. 393 – 415.

Faulstich-Wieland, Hannelore; Niehaus, Ingo; Scholand, Barbara (2010): Lehramt Grundschule: "niedrigste Stufe dieses Lehrerberufs" versus "ich liebe Kinder". Oder: Was SchülerInnen vom Lehramt abhält und Studierende daran reizt. In: Erziehungswissenschaft, Jg. 21, H. 41, S. 27 – 42.

Faulstich-Wieland, Hannelore (2010): Mehr Männer in die Grundschule: welche Männer? In: Erziehung und Unterricht, Jg. 160, H. 5-6, S. 497 – 504. Online verfügbar unter: http://www.oebv.at/sixcms/media.php/504/faulstich_wieland.pdf

Faulstich-Wieland, Hannelore (2009): Männer im Grundschul-Lehramt - Braucht man sie? In: MagazIn - Halbjähriges Magazin des Gleichstellungsbüros der Bergischen Universität Wuppertal, Sommersemester 2009, S. 28 – 31.

Faulstich-Wieland, Hannelore (2009): Mehr Männer in die Grundschule? Offene Fragen im Spiegel der Forschung. In: Grundschule, Jg. 41, H. 9, S. 36 – 38.


Hier finden Sie eine Literaturzusammenstellung von Veröffentlichungen zum Thema "Berufswahl und Lehrerberuf" - Stand 5.8.10.

Hier finden Sie eine Literaturzusammenstellung von Veröffentlichungen seit 2000 zum Thema „Mehr Männer in die (Grund-)Schule?“ - Stand 20.8.11


Am 7.10.11 fand an der Universität Hildesheim im Rahmen des Projektes "Männer und Grundschullehramt" eine weitere Veranstaltung statt zum Thema "Mehr Männer in die Grundschule?“. Hannelore Faulstich-Wieland hielt dazu den Vortrag „Sollten Grundschullehrer vor allem Vorbild für Jungen sein? – Zusammenhänge zwischen Studienmotivation von Lehramtsstudierenden, Diskursen um „mehr Männer in die Grundschule“ und Perspektiven guter (Grund)Schulen“.

Am 9.12.10 fand an der Universität Hildesheim die Auftaktveranstaltung des dortigen Gleichstellungsprojektes "Männer und Grundschullehramt" statt. Dafür hielt Hannelore Faulstich-Wieland einen Vortrag zum Thema "Männer und Grundschullehramt – eine gleichstellungspolitische Herausforderung". Es wurde vereinbart, dass beide Projekte im Austausch miteinander bleiben.


Am 1.7.2011 nahm Barbara Scholand an der 1. Forschungswerkstatt an der Universität Hamburg "Gender und Diversity in der Forschung an Hamburger Hochschulen" teil und stellte das Projekt vor.


Am 30.11.10 fand der Tag der Gleichstellung der Fakultät EPB statt, auf dem Ingo Niehaus und Barbara Scholand über erste Ergebnisse ihrer Forschungen berichtet haben.


Am 17.3.10 beteiligte sich das Projekt am Forschungsforum "Männer als Vorbilder im geschlechtsbezogenen Sozialisationsprozess" auf dem DGfE-Kongress in Mainz. Ingo Niehaus und Barbara Scholand haben einen zusammenfassenden Bericht verfasst, der im Heft 5/6 2010 der Zeitschrift "Erziehung & Unterricht" erschienen ist (S. 480-483).


Am 13.11.09 veranstaltete das Projekt eine Tagung zum Thema "Männer und (Grundschul)Lehramt". Folgende Vorträge wurden dabei präsentiert:

1. Prof. Dr. Christine Bieri/Andrea Keck, PH Zürich: „Geschlechts(un)typische“ Studienwahl - Warum werden Männer nicht Lehrer und Frauen nicht Ingenieurinnen?
2. Heike Lobpreis, Universität Siegen:Keine kleinen Kinder…!“ - Warum fehlen männliche Studierende im Studiengang für das Grundschullehramt?
3. Dr. Josef Künsting, Universität Kassel: „Super, studieren mit so vielen Frauen“ – Aspekte der Studienwahlmotivation männlicher und weiblicher Lehramtsstudierender
4.
Prof. Dr. Friederike Heinzel, Universität Kassel: Biographisch-narrative Rekonstruktion der Studienwahlmotive und Studiensituation männlicher Studierender für das Grundschullehramt
5. Prof. Dr. Jutta Wiesemann, Shawna Dillon: Ethnographische Studie zur Bedeutung der Geschlechterzugehörigkeit im Alltag der Studierenden
6. Ingo Niehaus, Prof. Dr. Hannelore Faulstich-Wieland, Barbara Scholand, Universität Hamburg: Männer und Lehramt: Berufsorientierungsprozesse, Studienmotivation und -situation männlicher (und weiblicher) Lehramtsstudierender an der Universität Hamburg

Am 14.11.09 fand dann mit den Referent/innen ein weiterer Austausch statt. Eine Systematisierung der Diskussion finden Sie hier.


Am 7.11.09 fand im Rahmen der "3. Nacht des Wissens" eine Präsentation des Projekts statt.

Am 13.6.09 präsentierten Ingo Niehaus und Barbara Scholand das Projekt im Rahmen der Open Uni der Universität Hamburg.

Am 14.5.09 fand ein Fachvortrag mit Diskussion zum Thema "Brauchen wir mehr Männer in der Grundschule?" statt. Die Ergebnisse haben Ingo Niehaus und Barbara Scholand in Thesenform zusammengefasst.


Insgesamt ist der Stand der (Geschlechter-)Gleichstellung an unserer Fakultät bereits weit entwickelt, auch wenn noch lange kein paritätischer Anteil bei den Professuren erreicht ist und bei den Promotionen Männer im Verhältnis zu ihrem Anteil an den Studierenden überproportional vertreten sind. Schaut man auf die Gruppe der Studierenden, ist hier das zahlenmäßige Geschlechterverhältnis nur in der Bewegungswissenschaft ausgeglichen; sowohl in der Erziehungswissenschaft als auch in der Psychologie ist es jedoch weit von einer 50:50-Verteilung entfernt. Ein weiterer Aspekt ist die „Erfolgsquote“, also die Zahl der tatsächlichen Abschlüsse gegenüber der Zahl der Studienanfänger/innen: Diese ist bisher – ausgewiesen über Modellrechnungen – deutlich zu niedrig: Sie liegt insgesamt unter 50%, ist bei Männern noch geringer als bei Frauen und ist vor allem auf Studienabbrüche und Studienplatzwechsel zurückzuführen.

Besonders unausgewogen ist das Geschlechterverhältnis im Studiengang „Bachelor Primarstufe und Sekundarstufe I“ mit 88% weiblichen zu lediglich 12% männlichen Studierenden. Diese Zahlen stehen gesellschaftlichen Entwicklungen und Gleichstellungszielen entgegen: Eine kleine Bewegung „neuer“ Väter bzw. männlicher Bezugspersonen engagiert sich zwar seit einigen Jahren vermehrt in Erziehungs- und Betreuungsarbeit – wenn sich dieser Trend jedoch verstärken soll, dann muss die Arbeit mit Kindern als Bereich erkennbar sein, in dem selbstverständlich Männer tätig sind. Das betrifft vor allem die Bereiche Kindergarten – für den die universitäre Ausbildung (bisher) nicht zuständig ist – und Grundschule. Eine Gleichverteilung von Lehrerinnen und Lehrern auf den verschiedenen Ebenen des Bildungssystems würde den Schülerinnen und Schülern ein Bild von Geschlechtergerechtigkeit vermitteln, das zukünftigen Entwicklungen angemessen ist.

Aus den o.g. Zahlenverhältnissen ergeben sich für das bei der Gleichstellungsstelle der Fakultät angesiedelte Forschungsprojekt „Männer und Grundschule – MäGs“ folgende Fragen und Untersuchungsaufgaben: Weshalb sind so wenige Studenten in der Grundschulpädagogik und auch in der Psychologie zu finden? Wie ließe sich der Anteil männlicher Studierender erhöhen? Wie und woran orientieren sich Schüler in ihrer Berufswahl? Welche Erfahrungen machen männliche Studierende im Studium? Wie erleben Lehrer und Psychologen den jeweiligen Einstieg in ihr Berufsleben? Wie lassen sich berufsorientierende Informationen zum Grundschullehramt und zur Psychologie so verändern, dass sie mehr und unterschiedliche Männer ansprechen? Müsste dabei nicht auch das Bild von dem, was Grundschularbeit bzw. psychologische Tätigkeit ausmacht, korrigiert werden? Was genau kennzeichnet diese Bilder und entsprechen sie den tatsächlichen beruflichen Tätigkeiten? Die Beantwortung dieser Fragen soll durch eine dreischrittige empirische Studie erfolgen, welche die Ausbildungsfelder Schule (Gymnasium und Gesamtschule), Hochschule, die Berufsfelder Grundschule und Psychologie umfasst sowie die vorhandenen Berufsorientierungsangebote untersucht. Methodisch kommen Verfahren der Ethnografie, Gruppendiskussionen und Interviews zum Einsatz. Die theoretische Rahmung liefert das Modell vom Sozialen Raum, wie Pierre Bourdieu es entworfen hat; mit den Begriffen ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital, Habitus, Feld, Illusio und Doxa stehen Werkzeuge bereit, die es ermöglichen, Berufswahl- und -findungsprozesse unter einer komplexen gesellschaftstheoretischen Perspektive zu analysieren, welche die Dimensionen von Ungleichheit – Gleichheit, Heterogenität – Homogenität zu berücksichtigen und zu erhellen vermag.

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